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Donnerstag, 25. September 2008

Hamburg würdigt Erfinder der Blindenschrift

Und noch eine gute Nachricht aus der Politik: Auf eine Anregung des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg (BSVH) hin hat die FDP-Fraktion im zuständigen Regionalausschuss beantragt, den Platz vor dem U-Bahnhof Hamburger Straße nach Braille, dem Erfinder der Blindenschrift, zu benennen. Der Platz befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Louis-Braille-Center, dem Sitz des BSVH im Holsteinischen Kamp. Nachdem das Staatsarchiv der Namensnennung zugestimmt und auch der Regionalausschuss einstimmig für den "Louis-Braille-Platz" votiert hat, steht aus FDP-Sicht der Umbenennung nun nichts mehr im Wege. Die Zustimmung des Senats sei nur Formsache.

Am 4. Januar 2009 jährt sich Brailles Geburtstag zum 200. Mal. Der Blinden- und Sehbehindertenverein plant für diesen Tag eine feierliche Einweihung des Platzes. Ich bin stolz, dass der Louis-Braille-Platz kommt. Die Blindenschrift bedeutet bis heute Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe für blinde Menschen. Ihr Erfinder hat diese Würdigung verdient.

Hamburg Begreifen: die Innenstadt in Bronze

Blinde und sehbehinderte Menschen begreifen Hamburgs Innenstadt. Das größte Tastmodell Deutschlands steht seit Dienstag auf dem Rathausmarkt, vor dem Bucerius-Kunstfforum. Ich bin begeistert. Wir können unsere schöne Stadt endlich mit den Händen erfassen und fühlen, wie Rathaus und Michel aussehen. Alle Gebäude sind maßstabgetreu ertastbar.

Bürgermeister Ole von Beust, der das Modell am 23. September enthüllte, zeigte sich ebenfalls erfreut: "Ich kann mir vorstellen, dass da viele Menschen lange vorstehen werden, weil man so erst erfährt, was ist groß, was ist klein, wie breit sind Straßen, wo ist Wasser. Das ist wirklich eine Tolle Sache", sagte von Beust dem Radiosender NDR 90,3. Die Herstellung des detaillierten und tonnenschweren Bronze-Modells dauerte über ein Jahr. Es ist 2,65 mal 1,60 Meter groß. Straßen und Gebäude sind mit Blinden- und Schwarzschrift gekennzeichnet.

Montag, 1. September 2008

Sommer in Hamburg

Durchnässt durchstoße ich heute Morgen den Regen. Es donnert kurzatmig. Ein Gewitter leutet das Sommer-Ende ein - kein Gewitter, das Schwüle Hitze vertreibt. Es sind Schläge, die eine Jahreszeit vernichten: den Sommer in Hamburg. Ich kann gar nicht genau sagen, wann er begann. Am 21. April war noch Frühling. Doch schon sehr bald waberte die Schwere durch die Stadt - eine sinnliche Schwere, geschwängert vom dampfenden Boden der Alster-Wiesen, von den wilden Beats, die aus geöffneten Auto-Fenstern hämmerten, und von Haut, die in der Sonne glühte. Die Schwere des Sommers legte sich wohlig auf unsere Seelen, sie kribbelte im Bauch. Und keiner kann sagen, wann sie begann, uns zu erdrücken. Als wir sie realisierten, war es zu spät. Da half kein Regenschauer oder Donnerschlag. Wir konnten die Schwere in keinem See mehr abstreifen. Irgendwann weiß der Hamburger, dass nur noch der Herbst helfen kann.

Sonntag, 11. Mai 2008

Zwei Hafen-Geburtstage

Hafen-Geburtstag ist eigentlich nicht so meine Welt. Zugegeben: auch ich hab mich schon mal mit Freunden durch die Menschenmassen drücken lassen, um ein Konzert zu sehen oder am Rande des alkoholisierten Treibens im Park Fiction einen Geburtstag zu feiern. Über eine Millionen Besucher auf engstem Raum, das ist trotzdem entbehrlich. Es hatte aber durchaus etwas, am Freitag Nachmittag mit der Fähre nach Övelgönne zu schippern und danach am Elbstrand zu sitzen: ständig fuhren Kreuzfahrt-, Container- und Segelschiffe an Sarah und mir vorbei. Die Hupen tönten mal hoch, mal vibrierend tief, mal kurz, mal lang. Salut-Schüsse donnerten über den Strand. Dazu schlugen die Elbwellen mal leise, mal laut ans Land. Und die Sonne rief: "Genieße das Leben!"

Noch eindringlicher tat sie dies am Samstag. Tante Trevor, Michi und ich fuhren mit dem Zug an die Ostsee. Das ist ein grandioser Vorteil, den Hamburg gegenüber vielen anderen Städten zu bieten hat: Man ist in eineinhalb Stunden am Meer. Schon als wir in Travemünde ausstiegen rochen wir die klare, leicht salzige Luft. Die Sonne strahlte auf unsere Creme-verschmierte Haut. Ein leichtes Lüftchen sorgte für Frische. An der Steilküste liefen wir nach Niendorf. Es war herrlich, dort barfuß durch den Sand zu stapfen und mit den Zehen den ersten Kälteschock am Meeresrand zu erleben. Aber nach knapp zwei Stunden Braten in der Sonne, mit der einzigen Sorge, wie rum man sich denn nun hinlegt, waren wir reif für das Meer. 16-19 Grad hat die Ostsee zurzeit. Und es war archaisch schön, das Meer auf der Haut zu spüren, unbeschwert herumzuplantschen und das Hier und Jetzt zu zelebrieren. Nur ein Mensch fehlte, dann wäre der Augenblick perfekt gewesen. Als Krönung noch ein frisches Krabbenbrötchen, einen Bummel über den Niendorfer Hafengeburtstag (nicht ganz so voll wie sein Hamburger Pendant, aber auch nicht ganz so ausgelassen), einen Spaziergang zum Timmendorfer Bahnhof und schließlich entspannt und zufrieden mit dem Zug nach Hamburg und mit zwei Flaschen Rotwein an die Alster. Als ich gegen Mitternacht nach Haus kam, war ich insgesamt gut neun Stunden unter freiem Himmel gewesen. Und ich habe den Verdacht, da gehört der Mensch auch hin.

Montag, 21. April 2008

Frühling in Hamburg

Wie wundervoll Hamburg ist, merke ich besonders, wenn es Frühling wird. Und Frühling wird es in diesen Tagen endlich. Die Vögel durchdringen die Stadt mit ihrem Gezwitscher und übertönen - scheinbar spielend - den Lärm der Autos. Im Stadtpark weht der mal sanfte, mal fordernde Wind durch vollere Baumkronen, deren Rauschen immer kräftiger wird. Die Erde duftet nach Leben und Zukunft. Am Hafen strömen Hunderte auf die HVV-Fähren, um immer wieder von den Landungsbrücken nach Finkenwerder und zurück zu fahren und an Deck die Sonne zu genießen. Das Hupen der Dampfer, das Rauschen der Elbwellen, die Gischt auf der Haut, lassen die zarten Pflanzen der Hoffnung und Sehnsucht um so schneller wachsen. Auf den Steinen am Elbstrand zu sitzen, während sich Wolken und Sonne abwechseln - so wie Tränen und Lächeln - ist in dieser Jahreszeit wundervoll. Im Frühling liegt noch nicht die Sattheit eines heißen Grilltages auf den Gemütern der Stadtbewohner, sonder die Leichtigkeit eines langen Spaziergangs. Wenn doch nur immer Frühling wär...

Mittwoch, 16. April 2008

Mein verlinktes Hamburg

Es soll ja wirklich sympathische Menschen geben, die Hamburg noch nicht kennen. Kündigt sich ein solcher Besuch aus der Ferne für ein Wochenende an, steht der Einheimische vor der Frage: Was zeige ich in zwei Tagen? Was muss man gesehen haben? Beschränke ich mich auf mein Hamburg oder machen wir, was die Reiseführer für unablässig erachten?

Bleiben wir hier einmal bei meinem Hamburg: Sollte der obligatorische Spaziergang einen Teil des Alsterwanderwegs entlang führen, der über mehr als 30 Kilometer vom waldigen Schleswig-Holstein durch die Alstertäler in die Innenstadt und zum Hafen führt? Oder flaniert man an der Elbe entlang, wo die gediegenen Häuser über bunten, duftenden Gärten und dem Elbstrand thronen? Und wo wird bei Sonnenschein gechillt? Auf einer der kleinen Stadparkwiesen oder in einem Café mit Alstersteg? Ach ja, Essen muss man auch noch: holt man sich frisches Obst und Gemüse, Würstchen vom Bioschlachter, würzigen Käse und betörend duftende Kräuter auf dem Goldbekmarkt, dem wahrscheinlich schönsten Wochenmarkt Hamburgs, direkt am Kanal gelegen? Oder isst man zünftig im Niewöhner, das zurecht seit beinah 90 Jahren seinen Platz in der Gertigstraße behauptet? Oder einfach mal McDonalds, Burger King oder einen Döner? Ist ja alles überall verfügbar.

Und richtig unübersichtlich wird es am Abend. Beginnt man den Abend kuschelig mit einer DVD daheim bei Chips und Gintonic, oder besucht man das Joy in Uhlenhorst, vollkommen zurecht meine Stammkneipe seit 1994? Und dann auf die Sternschanze ins Le Fonque oder in den Konsum, um anschließend im Grünen Jäger abzurocken? Vielleicht aber auch - ganz traditionell - der Kiez: Vielleicht ins Molotow und die Meanie-Bar auf der Reeperbahn oder Sorgenbrecher und Barbara-Bar auf dem Hamburger Berg. Oder man verbringt die Nacht auf einer Datscha-Party. Die Partys mit russischer, ost- und südost-europäischer Livemusik und exzellenten DJ's sind momentan die extatischsten und tanzbarsten Abende in Hamburg.

Hamburgs Auswahl könnte einen Gastgeber wirklich überfordern. Eigentlich ist aber ja das Gegenteil richtig: man kann hier nichts falsch machen. Erstrecht nicht, wenn der Besuch aus der Ferne so sympathisch ist und gar nicht Hamburg, sondern er die Hauptrolle an diesem Wochenende spielen wird.