Einmal im Monat sitze ich im Radiostudio des Louis-Braille-Centers. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg produziert Sendungen für das Hamburger Lokalradio. Eine Sendung ist der BSVH-Treff. Am kommenden Sonntag läuft die 121. Ausgabe. Im Gespräch mit Moderator Ralf Bergner werde ich auf den erfolgreichen Infotag "Durchblick" zurückschauen. Ich werde auf die Produktschau "Trends und Technik für Zuhause" hinweisen, die am 15. November in Hamburg stattfinden wird. Auf dieser Messe für sehbehinderte und blinde Menschen können Hilfsmittel für Hobby, Haushalt, Freizeit und Gesundheit ertastet, erlauscht und betrachtet - und gleich gekauft werden (Weihnachten steht vor der Tür). Und schließlich werde ich im nächsten BSVH-Treff berichten, dass blinde Menschen unter der Hamburger Telefonnummer 19449 Fahrplan-Aushänge in Blindenschrift bestellen können. Der Hamburger Verkehrsverbund bietet diesen Service zusammen mit unserem Verein an. Im dezember wird auf den Winterfahrplan umgestellt. Damit auch blinde Menschen wissen, wann Bus, S- oder U-Bahn vor der Haustür abfahren, gibt es die Aushänge kostenlos in Braille. Weitere Themen am Sonntag um 17.00 Uhr: ein ausführlicher Bericht von der Messe „Durchblick“, das Berufsbildungswerk in Hamburg Eidelstedt, Eisenbahnnostalgie in Oberbayern, eine Reportage aus Dietrichshagen in Mecklenburg-Vorpommern, die Führhundhaltergruppe des BSVH, Elke Fiebiger im Porträt und der Veranstaltungskalender. Die bunte Sendung für blinde, sehbehinderte und nichtbehinderte Hörer läuft jeden ersten Sonntag im Monat um 17:00 (Wiederholung am Sonntag darauf um 7:00 Uhr) auf UKW 96,0, im Hamburger Kabel auf 95,45 und als Podcast unter www.bsvh-treff.org. Übrigens feierten Bergner und sein Team von ehrenamtlichen Radio-Begeisterten im Oktober Zehnjähriges. Herzlichen Glückwunsch!
Freitag, 31. Oktober 2008
Dienstag, 28. Oktober 2008
Post 100
Gut, eigentlich könnte ich jetzt noch eine Seite für unsere Homepage erstellen. Ich könnte auch bei einigen Politikern für die Belange blinder und sehbehinderter Menschen bei sog. Shared-Space-Flächen werben. Ich könnte auch einen Führhundhalter suchen, damit eine Journalistin ihn begleiten kann. Ich könnte auch noch die Einweihungsparty für den Louis-Braille-Platz vorbereiten, die am 4. Januar stattfinden soll. Ich könnte auch endlich mal meine Über-Mich-Seite bei Xing aktualisieren. All das tue ich jetzt aber nicht. Ich prokrastiniere lieber: das soll man so! Und ich gratuliere mir lieber selbst zum 100. Blind-PR-Eintrag! So schnell geht das.
Freitag, 24. Oktober 2008
Das Kino der Blinden
"Die Stadt der Blinden" läuft seit gestern im Kino. Der Film bringt die Frage nach der Verfilmbarkeit von Blindheit wieder auf die Agenda. Und die Frage nach den Film-Gewohnheiten blinder Zuschauer. Hierzu einige Auszüge aus meinem Gedankenaustausch mit Strider auf Zoomer.de:
HKunert: Blindheit auf die Leinwand zu bringen, das ist immer ein schwieriges Unterfangen. Ich selbst bin blind und weiß, dass das Bild der sehenden Menschen von uns durch die Medien geprägt ist. Direkten persönlichen Kontakt mit Blinden haben dagegen die wenigsten. Somit kommt Filmen wie "Blindsight", "Erbsen auf halb 6" oder "der Duft der Frauen" eine große Bedeutung zu. Nun geht es bei der "Stadt der Blinden" - ich kenne bisher lediglich das grausam gelungene Hörspiel - ja eigentlich nicht wirklich um die Behinderung Blindheit. Das Nichtsehen ist hier eine Metapher. Hoffentlich versteht das jeder Zuschauer auch so.
Strider: Wirst Du Dir dann den Film trotzdem im Kino ansehen, respektive anhören? Hab mal gehört, dass es in einigen Kinos den Service gibt, dass Sehgeschädigte eine Art Untertitel per Kopfhörer bekommen können, der ihnen erklärt, was gerade zu sehen ist? Von so einer Möglichkeit schon mal Gebrauch gemacht? Wenn ja, ist das hilfreich oder eher störend?
HKunert: Ich sehe mir gern Filme an (ich benutze übrigens auch diese Formulierung, da sie einfach umgangssprachlich so gebraucht wird, auch wenn ich den Film eigentlich ja höre). Für mich funktioniert ein Film mehr wie ein Hörspiel. Und in Dolby-Zeiten wird in Filmen ja auch immer mehr Wert auf guten Sound gelegt. "Die Stadt der Blinden" werde ich gewiss sehen. Den Service mit dem Kopfhörer habe ich schon einmal genutzt. Dabei wird die Audiodeskription - sprich: die Beschreibung von Mimik, Gestik usw. - übertragen. Diese sog. Hörfilme laufen ja auch gelegentlich im TV und sind eine tolle Sache. Da die Beschreibungen passend in die Dialogpausen gesprochen werden, entgeht mir kein Wort und meine sehende Kino-Begleitung kann sich voll auf den eigenen Filmgenuss konzentrieren und braucht mir nichts zu erklären. In Kinos ist dieser Service aber sehr selten.
Strider: Dass Filme für Dich wie Hörspiele sind, habe ich mir schon fast gedacht, aber wie funktioniert das bei Komödien, die ja auch viel von Mimik und Gestik leben? Geht da insgesamt nicht auch einiges am Inhalt verloren?
HKunert: Es gibt tatsächlich Filme, die besser für mich geeignet sind, und es gibt Filme, die für mich kaum Konsumierbar sind. Für mich sind dialogreiche Streifen natürlich ein wesentlich größeres Vergnügen als Filme, die ihre Spannung ausschließlich aus Bildern ziehen. So ist mir z.B. von den Coen-Brüdern ein "Big Lebowski", in dem eigentlich nonstop gesprochen wird und der stark von seinem Wortwitz lebt, lieber als "No country for old Men", in dem stumme Verfolgungsszenen genial umgesetzt sein sollen. Aber klar: Wenn man es aus Sicht eines Sehenden betrachtet, geht mir bei jedem Film etwas verloren, da mir das Visuelle fehlt. Für mich ist ein Film etwas ganz anderes als für Dich. Für mich spielt viel mehr die Fantasie eine Rolle. Aus Geräuschen, Stimmen und Musik setze ich mir ein "Bild" zusammen. Gelegentlich schließe ich das Geschehene erst aus der Folgeszene, weil rein akustisch z.B. nicht sofort klar war, wer jetzt wen erschossen hat. Nur: für mich ist es ja normal, ohne das Sehen zu leben, ob nun bei der Arbeit, am PC, in der U-Bahn oder im Kino. Somit würde mir ja noch mehr verloren gehen, wenn ich mir die Gestik-Mimik-Komödie gar nicht anschauen würde.
Donnerstag, 23. Oktober 2008
Bürgerliche Pflichten und bürgerliches Scheitern
Inspiriert durch die eigene Bühnenerfahrung und durch die zauberhafte Anna mache ich gerade Theater-Wochen. Am vergangenen Mittwoch sahen wir die Buddenbrooks im Thalia-Theater. Die Wieder-Aufführung der John-von-Düffel-Adaption des Thomas-Mann-Klassikers war witzig, schlicht und gelungen. Auf zwei Buddenbrooks-Generationen musste von düffel verzichten. Er konzentrierte sich auf die ökonomischen Zwänge, denen das bürgerliche Leben unterworfen ist. Das war in sich stimmig und klug gelöst, wenngleich die Vielschichtigkeit und breite Anlage des Romans sich nicht auf der bühne fand. Die Schauspieler waren mit enormem Spielwitz dabei und brachten dynamische, kurzweilige, humorvolle und nicht zu nachdenkliche zweieinhalb Stunden Theater auf die Bühne. Sie werden das am 8. Dezember wieder tun
Bedrückender als die Buddenbrooks kam am Samstag Michael Kramer im Ernst-Deutsch-Theater daher. Aber auch bei Gerhart Hauptmann stehen bürgerliche Werte im Zentrum: Pflichterfüllung und Disziplin. Diese fordert der Kunstprofessor Kramer von seinem Sohn Arnold, der sich sein Leben lang dagegen auflehnt und dabei seine Talente verschenkt. Das Scheitern des Sohnes kulminiert in einer unglücklichen Liebe, dem Spott der Gesellschaft und schließlich im Selbstmord des Sohnes. Erst dieser Selbstmord führt zur Reflektion durch den Vater. Uwe Friedrichsen spielt diese viel zu späte Reflektion erschütternd und bewegend. "Michael Kramer" ist kein schönes, aber ein gutes Stück, das Stoff zum Nachdenken an einem Herbstabend liefert. Vorstellungen finden noch bis zum 15. November statt.
Montag, 20. Oktober 2008
Die Funktion der Medien
Der Themenschwerpunkt des Seminars in Frankfurt hieß diesmal "Medienkunde und Medienarbeit der Public Relations". Dabei ist eine fundamentale Frage die nach der Funktion der Medien. Welchen Blick haben einerseits Journalisten und Redakteure und andererseits die PR-Fachleute auf sie?
Wenn ich im Folgenden von Medien spreche, meine ich damit alle journalistisch betreuten Medien wie Zeitungen, Zeitschriften, TV-Programme, Radiosender und redaktionell betreute Web-Angebote. Ich spreche hier nicht von unmittelbaren, direkten Medien wie Blogs, Foren, Chat-Räumen.
Zunächst einmal sind Medien die Arbeitgeber der Journalisten und Redakteure. Für PR-Schaffende sind sie es nicht. PR-Schaffende arbeiten für Unternehmen, Auftaggeber und Agenturen.
Journalisten sortieren die Vielzahl an Ereignissen und Meinungen und bringen sie in eine für die jeweilige Leserschaft, Hörerschaft oder den Zuschauerkreis verständliche Form. Sie ffiltern die relevanten Fakten und informieren somit die Leserschaft usw. Zusätzlich bewerten sie die Informationen in Kommentaren. Journalisten und Redakteure gestalten die Medien. Sie bestimmen über deren Inhalt, politische, sprachliche und bildliche Ausrichtung.
PR-Schaffende haben diesen direkten Einfluss auf die Medien nicht. Sie können lediglich Informationen und Einschätzungen liefern, die die Journalisten aufgreifen können oder nicht. Für PR-Schaffende erfüllen die Medien mindestens zwei Funktionen. Einerseits sind sie eine Informationsquelle. Der PR’ler muss up to Date sein. Er muss wissen, was insbesondere die Themen angeht, die seinen Auftraggeber betreffen. Sprich: Wenn ich für einen Blinden- und Sehbehindertenverein arbeite, sollte ich mich in den Medien darüber informieren, was es an neuen Entwicklungen im Augen-medizinischen Bereich gibt. Ich sollte mich über Augen-Erkrankungen informieren. Mir sollten Entwicklungen in der Behindertenpolitik präsent sein. Wenn der Blinden- und Sehbehindertenverein in Hamburg arbeitet, sollte ich mich über die Hamburger Politik informieren, insbesondere über die Sozial- und Gesundheitspolitik. Nur so kann ich angemessene PR-Arbeit betreiben.
Hiermit sind wir bei der zweiten Funktion, die die Medien für PR-Schaffende haben: Sie sind eine Möglichkeit, mit der Öffentlichkeit in Kontakt zu treten. Die meisten Menschen erhalten ihre Informationen aus Zeitung, TV, Radio und Internet. Erst wenn die Anliegen und Informationen unserer Auftraggeber in den Medien auftauchen, nehmen die Konsumenten unsere Auftraggeber wahr. In der Regel haben PR-Schaffende nicht die Möglichkeit, in den Kommentar-Spalten der Zeitungen aufzutauchen. Sie liefern meist Informationen, die aber selbstredend die Bewertung unserer Auftraggeber zu bestimmten Themen beinhalten können.
Medien sind in der Regel der Aktualität verpflichtet. Journalisten versuchen meist so zeitnah wie möglich über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen zu berichten. Sie müssen daher flexibel auf die jeweilige Nachrichtenlage reagieren. PR-Schaffende können dagegen meist längerfristiger und strategischer arbeiten. Sie haben es eher in der Hand, wann sie mit welchem Thema an die Medien herantreten möchten. Nichtsdestotrotz müssen auch sie die Aktualität berücksichtigen, da es ihnen keine Veröffentlichung bringt, wenn sie versuchen, mit veralteten Infos und altmodischen Themen zu arbeiten.
Dienstag, 14. Oktober 2008
Mal ein guter Bestseller
Nachdem meine letzte Bestseller-Lektüre eher eine Enttäuschung war, kann ich heute mal einen Bestseller empfehlen. Henning Mankells "Der Chinese" ist ein intelligenter, spannender und bedrückender Kriminalroman. Auf eine Zusammenfassung der Handlung möchte ich hier verzichten. Nur soviel: der Roman verknüpft das historische Ereignis der Ausbeutung chinesischer Arbeiter beim Bau der US-amerikanischen Eisenbahn im 19. Jahrhundert mit einer Mordserie zu Beginn des neuen Jahrtausends in Schweden. Ich war zunächst skeptisch, hatte doch der Deutschlandfunk im Büchermarkt (Kritik nicht online) diese Verknüpfung konstruiert und unglaubwürdig genannt. Diese Kritik kann ich aber nicht teilen. So etwas kann nur ein Buchkritiker von sich geben, der nicht in historischen Dimensionen denken kann und Handlungsmotive ausschließlich in der psychischen Disposition der Akteure zu sehen vermag. Meiner Meinung nach ist Mankells aktuelles Buch natürlich konstruiert, aber sehr klug und aufrüttelnd, so wie man es vom schwedischen Autor gewohnt ist. "Der Chinese" ist sicher nicht besser als andere Werke Mankells, aber ganz gewiss auch nicht schlechter. Und die ca. neunstündige Lesung von Axel Milberg ist von der ersten Sekunde an packend. Milberg liest so, dass man in jeder Szene, in jedem Wort, in jeder Silbe die Gefahren unserer modernen Welt erahnt - einem Mankell mehr als angemessen.
Samstag, 11. Oktober 2008
ICE-Menschen
Mitmenschen im ICE nach Frankfurt sind immer wieder eine Überraschung, zumal in der familiären Atmosphäre eines Sechser-Abteils. Drei dynamische Damen im Gespräch: "Ein Möhrchen zum Abendbrot reicht mir." "Ich brauch zwei Becher Kaffee und drei Zigaretten zum Frühstück." "Ich habe gestern ein Viertel Paprika eingefroren. Da hab ich Sonntag noch eine Gemüsepfanne zuhaus." "In Nagelstudios arbeiten nur schlecht ausgebildete Personen." "Ich wohne in Frankfurt im Hotel Hamburger Hof. Ich dachte, das klingt nach Heimat."
In Hannover kommt der hessische Geschäftsmann mit reichlich Gepäck. Ein Gepäck-Stück fällt von der Ablage - auf eine der drei dynamischen Damen. Der Herr: "Darf ich Ihnen eine Salbe anbieten, die ich auf Reisen immer dabei habe, weil man sich dabei immer einmal verletzen kann. Ich hole Ihnen Eiswürfel aus dem Bistro."
Schließlich noch der vietnamesische Loi, der seit sechs Wochen in Hamburg lebt. "Als Ingenieur für Schiffsbau finde ich in Frankfurt keinen Job. Im Juni gehe ich nach Shanghai - Chinesisch ist für mich einfacher als deutsch."
Und der blinde PR'ler auf dem Weg zum Seminar: "Mein Handy spricht. Mein PC auch..." Mal schauen, was die Rückfahrt am Dienstag so zu bieten hat.
Donnerstag, 9. Oktober 2008
Durchblick mit kranken Augen
Patienten von altersabhängiger Makula-Degeneration (AMD), Grünem Star (Glaukom) oder anderen Augen-Erkrankungen können sich am Mittwoch beim Infotag "Durchblick" kompetent informieren. Optiker, Hilfsmittel-Hersteller und Selbsthilfe-Gruppen stellen die neuesten Produkte und Dienstleistungen rund um vergrößernde Sehhilfen vor. "Durchblick" findet zwischen 10 und 17 Uhr im Louis-Braille-Center, Holsteinischer Kamp 26 (Nähe U2 Hamburger Straße) statt.
Die Erfahrungen unserer Sehhilfen- und hilfsmittel-beraterinnen zeigen, dass Menschen, die neu mit einer Sehbehinderung konfrontiert sind, häufig nicht wissen, wie viel sie mit den passenden Hilfsmitteln doch noch sehen können. Mit "Durchblick" bieten wir ein Forum für Information und Gedankenaustausch. Fälle wie die beinahe Erblindung mehrerer AMD-Patienten nach einer scheinbar unsachgemäßen Behandlung zeigen, dass man kompetent in eine Behandlung gehen sollte. Um den mündigen Patienten zu fördern, haben wir u. A. die Landesaugenärztin zu "Durchblick" eingeladen. Frau Dr. Hanke wird über Behandlungsmethoden und Krankheitsverlauf von AMD sprechen. Hankes Vortrag gehört zu einer Reihe, die am Mittwoch im Holsteinischen Kamp gehalten wird. Die AMD ist die häufigste Ursache für eine schwere Sehbehinderung bei Menschen über 50 Jahren. Sie betrifft ca. 30 % der 75-85 jährigen. Ca. 2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an der altersabhängigen Makula-Degeneration. Mit der Alterung der Gesellschaft steigt Jahr für Jahr die absolute Zahl der Erkrankten an.
"Durchblick" findet im Rahmen der "Woche des Sehens" statt. Sie macht alljährlich auf die Situation blinder und sehbehinderter Menschen aufmerksam. Alle Termine und Hintergrund-Infos finden Sie auf www.woche-des-sehens.de. Der BSVH veranstaltet "Durchblick" inzwischen zum zweiten Mal, nachdem der Infotag im vergangenen Jahr mit weit mehr als 200 Besuchern auf sehr große Resonanz stieß.
Vortragsreihe am 15.10.2008 im Louis-Braille-Center, Holsteinischer Kamp 26, Raum Elbe:
- 11.00 Uhr: Aktiv zuhause und sicher unterwegs, Herr Köwing, Schweizer Optik
- 11.45 Uhr: Kantenfilter und Beleuchtung, Herr Kurzhals, Schröder Optik
- 12.45 Uhr: Die Orthoptistin – ein Beruf stellt sich vor, Frau Sossidi-Petersen, Orthoptistin
- 14.00 Uhr: Altersbedingte Makula-Degeneration - Krankheit und Therapien, Dr. Med. Hanke, Augenärztin
- 14.45 Uhr: "Mein Sehen bekam ich nicht zurück, aber meine Zuversicht" – mit der Sehbehinderung leben, Frau Schacht, Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg
Nachfolgende Aussteller werden informieren und vergrößernde Sehhilfen sowie spezielle Leuchten vorstellen:
- Eschenbach
- Optiker Bode
- Optiker Kelb
- Schröder Optik
- Schweizer Optik
- Reinecker GmbH, deutscher Vertrieb für The Daylight Company Ltd.
- Pro-Retina
- Glaukom-Selbsthilfe
Dienstag, 7. Oktober 2008
Das müssen Sie gelesen haben
Welche zehn Bücher muss man meiner Meinung nach gelesen haben? Das fragt zurzeit eine Blogparade. Eine schwierige Frage, die ich vielleicht in einem Monat wieder ganz anders beantworten würde. Aber was soll's?
- Hermann Hesse: Demian. Damals im Deutsch-LK gelesen, ist es für mich elementar. Es ist wohl eines der klügsten Bücher, die ich kenne. Schöner und anschaulicher kann man Psychoanalyse nicht in Prosa verwandeln - außer vielleicht Hermann Hesse in "Narziß und Goldmund".
- Erich Maria Remarque: Im Westen nichts neues. Literarisch vielleicht nicht erste Wahl. Inhaltlich und in Sachen Eindringlichkeit aber ungeschlagen. Wer endlich alle Illusionen zum Thema Krieg verlieren möchte, der sollte das Buch lesen.
- Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Klingt jetzt vielleicht stereotyp, aber "Faust" ist zurecht ein Klassiker.
- Nikolaus Lenau: Faust. Zu unrecht kein Klassiker ist die Faust-Fassung von Nikolaus Lenau, dabei ist sie so wundervoll düster und pessimistisch.
- Nick Hornby: High Fidelity. Mal etwas leichtere Kost. Liebe, Pop und die Suche nach Glück in einem swingenden Schreibstil. Nach der Lektüre werden auch Sie beginnen, eine Laura fürs Leben zu suchen.
- Thomas Mann: Buddenbrooks. Da ich an dieser Stelle nicht das Gesamtwerk des Meisters empfehlen kann, beschränke ich mich auf seinen berühmtesten Roman. Er handelt vom Untergang einer Kaufmannsfamilie und deren Eintauchen in künstlerische, philosophische und existenzielle Fragen des Lebens. Im übrigen grandios in der Hörbuchfassung, die vom einzigartigen Gerd Westphal gelesen wird.
- Theodor Fontane: Stechlin. Selten habe ich bei einem vermeintlich schweren Buch soviel gelacht. Das launische Spätwerk Fontanes hat soviel geistreiche Komik, soviel Liebe zum Menschen und zum Brandenburger Land - ein Spitzenbuch für ein Herbstwochenende (gibt es übrigens auch von Gerd Westphal gelesen).
- John Irving: Gottes Werk und Teufels Beitrag. Schön, wie Irving die großen Fragen nach Menschlichkeit und Liebe in die amerikanische Provinz stellt. Die Personen sind einfach zum Liebhaben, obwohl sie mir - begegneten sie einem im wirklichen Leben - wahrscheinlich schnell auf die Nerven gehen würden.
- Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis. Physik, Philosophie und großartiger britischer Humor. Ich empfehle alle fünf Bände.
- Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch. Darf man heutzutage noch Marcuse empfehlen? Vielleicht ist nicht alles tragbar, was der Philosoph schreibt. Dennoch ist seine Konkretisierung der Kritischen Theorie mitreißend und anregend zugleich. Im Idealfall (sprich: bei dauerhafter Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit oder Lust am Denken) sollte die Lektüre durch die Schriften Adornos und Horkheimers ergänzt werden.
Sonntag, 5. Oktober 2008
Das war's dann wohl
Das war's dann wohl. Gestern war die Dernière von "Blindfische und Sehfische". Sie war chaotisch, innovativ, angespannt und fröhlich. Sie brachte den größten Applaus. Gut, der Herr Stromberg-Autor und sein funkiger Bruder im Geiste sind in der Pause gegangen: "Wir sind entsetzt darüber, wofür Du Dich hergibst!" Aber sonst war das Publikum gekommen, um sich zu amüsieren. Es lachte und beklatschte beinah jede Szene - ein schönes Gefühl. Danach feierten Schauspieler und Crew bei Pizza und Bier. Bei einigen Teilnehmern flossen Tränen. Andere planten bereits eine Blindfische-Tournee. Schauen wir mal, was die Zukunft in Sachen Theater so bringt. Ich bin jedenfalls froh über die Erfahrung der letzten Monate und über die Menschen, die ich kennenlernen durfte.
Samstag, 4. Oktober 2008
Dem Karibu sei Dank
Manchmal ist das Abonnieren von Newslettern doch sinnvoll. Im Kampnagel-Verteiler lautete die Gewinnspiel-Frage, welches Tier Sarah Palin dereinst erschossen hat. Wer googelt, der findet: "Karibu" lautete die Antwort. Ich wurde ausgelost und war am Donnerstag im Konzert von Micah P. Hinson. Die zauberhafte Anna und ich hatten zuvor nichts von diesem Texaner gehört. In der Kampnagel-Ankündigung stand was von Country, Americana, Cohen, Cash und Waits. Der Myspace-Einsteiger klang nach bestuhltem Songwriter-kuschel-und-besinne-Dich-Konzert. Und so schien es zunächst auch. Friedlich klimperte die Gitarre dahin, im stile des späten Cash sang Hinson. Doch schon bald wurde klar, dass dies kein gewöhnliches Konzert sein würde. Immer häufiger und zunehmend radikaler brachen Hinsons Band und sein Gesang die einlullende Beschaulichkeit amerikanischer Folk-Musik. Das Schlagzeug hämmerte in punkigem Vier-Viertel-Takt, die Gitarre wurde zur quietschenden E-Gitarre, Hinson thronte tief, düster und mächtig über dem Sound. Und doch war es wunderschön anzuhören. Hier wurde ein Stil nicht nur zerlegt, sondern auf kluge Weise neu zusammengesetzt. Harmonien, Rhythmen und Klang spannten sich bis ins Unerträgliche, um sich im genau richtigen Moment aufzulösen. Und wenn man dann dachte, jetzt geht es Easy-Going weiter, krachte es erst richtig. Eine im wahrsten Wortsinn spannende Entdeckung dieser Micah P. Hinson. Ein CD-Kauf ist Pflicht.
Donnerstag, 2. Oktober 2008
Heut mal die Publikumsperspektive
Das Stehen auf der Bühne macht Lust auf Theater. So besuchten die zauberhafte Schauspiel-Kollegin und ich gestern das Altonaer Theater. Dort wird zurzeit "Herr Lehmann" gespielt, auf der Grundlage des Bestsellers von Element-of-Crime-Sänger Sven Regener. Dabei ist man eng an der Vorlage geblieben. Die Zentralen Szenen kommen im Original-Wortlaut vor. Bei der wortwitzig-trockenen Vorlage ist das eine kluge Entscheidung, mit der man nichts falsch machen kann. Die Musik aus den Lautsprechern (Element of Crime, Rio Reiser) ist geschmackvoll und sehr passend. Das Bühnenbild sollte ein Zuschauer mit Augenlicht beurteilen. Die schauspielerische Leistung ist solide bis sehr gut. Nur Katrin, die schöne Köchin, bleibt blass - und so recht will man nicht verstehen, warum sich der sympathische Herr Lehmann ausgerechnet in sie verliebt. Das Stück wird noch bis zum 17. Oktober gegeben. Ich empfehle einen Besuch.